Die Nutzung der Wasserkraft steht im Spannungsfeld zwischen Stromproduktion, der Sicherstellung ökologischer Funktionen der Fliessgewässer und weiteren Wassernutzungen – eine Komplexität, die sich angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung weiter verschärfen wird. Zentral ist dabei das Restwasser, also die Abflussmenge, die nach einer Wasserentnahme für Stromproduktion im Gewässer verbleibt. Gesetzliche Restwasserbestimmungen sollen Biodiversität und Wasserqualität schützen und gleichzeitig die Energieproduktion ermöglichen.
In der bisherigen Debatte fehlte eine öffentlich zugängliche Datengrundlage, um beispielsweise zu simulieren, wie hoch die Produktionsminderungen infolge der Restwasserbestimmungen tatsächlich sind. Rückblickend zeigt sich, dass dieser Einfluss wiederholt überschätzt wurde. Gleichzeitig sind aquatische Lebewesen auf den Roten Listen der bedrohten Arten überrepräsentiert: 65 % der Fische und Rundmäuler sowie 47 % der Invertebraten befinden sich auf den Roten Listen. Heute ist ein erweiterter Ausbau der Stromproduktion aus Wasserkraft politisch gewünscht und geplant; gleichzeitig gilt es, dem Verfassungsauftrag von 1975 zur Sicherstellung angemessener Restwassermengen gerecht zu werden. Diese Zielkonflikte treten insbesondere in den zahlreichen Neukonzessionierungsverfahren zutage, die in den nächsten 20 Jahren anstehen.
Um zukünftige Entscheidungsprozesse zu unterstützen, ist im Rahmen der ETH-Initiative SPEED2ZERO – in Zusammenarbeit mit der WSL und der Universität Bern – erstmals eine öffentlich zugängliche Restwasser-Datenbank entstanden. Dank ihrer kraftwerksspezifischen Struktur ermöglicht sie eine effiziente Analyse hydroenergetischer Fragestellungen. Damit soll eine faktenbasierte Abwägung unterschiedlicher Nutzungsinteressen unterstützt sowie eine zukunftsorientierte Wasserwirtschaft gefördert werden.