Der demografische Wandel und seine vielfältigen Auswirkungen sind in Medien und Politik omnipräsent. Welche Weltregionen werden sich entvölkern, welche werden wachsen? Wie kann Welternährung innerhalb der planetarern Belastungsgrenzen gelingen? Was bedeuten sinkende Geburtenraten für die Schweiz? Wer finanziert unsere Renten? Finden wir genügend Fachkräfte für unseren Arbeitsmarkt? Wer kümmert sich um ältere Menschen? Wie werden wir wohnen? Wie funktioniert Stadtplanung in Zeiten der Klimakrise? Und wie können aus vermeintlich objektiver Bevölkerungsprognosen gerechtere Zukünfte gedacht und gestaltet werden?
Die diesjährige Vortragsreihe der Geographischen Gesellschaft Bern beleuchtet aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven und Massstabsebenen den demografischen Wandel – global, national und lokal. Der interdisziplinäre Ansatz verspricht spannende, überraschende und kontroverse Ansichten in das hochaktuelle Thema.
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PD Dr. Jeannine Wintzer, Geographisches Institut der Universität Bern
Zählen, Steuern, Gestalten: Zur Geographie demographischer Zukünfte
20. Januar 2026, 18.15 – 19.30 Uhr, Grosser Hörsaal 001, GIUB
Demographische Zukunft wird gemacht: durch Zahlen, Narrative und darauf folgende politische Steuerungsmaßnahmen. Der Vortrag nimmt die Produktion und Zirkulation demographischer Prognosen in den Blick und analysiert, wie diese beispielweise in räumlichen Planungsprozessen wirksam werden. Aus einer kritisch-geographischen Perspektive werden zudem Praktiken der Demographisierung und ihre normativen Gehalte offengelegt: Wer zählt? Wer wird gezählt? Und mit welchen Effekten? Damit stellt sich abschließend die Frage, wie statt vermeintlich objektiver Bevölkerungsvorausschauen gerechtere Zukünfte gedacht und gestaltet werden können.