Vorträge

Vortragsprogramm 2021/2022

WASSER


Prof. Dr. Wilfried Hagg, Hochschule München, München

Der Gletscherschwund in Zentralasien und seine hydrologischen Folgen

5. Oktober 2021, 18.15 – 19.30 Uhr

Obwohl das Rückschmelzen der Gletscher ein globales Phänomen darstellt, weisen sowohl Ausmass als auch Folgen eine deutliche regionale Differenzierung auf.
Zentralasien wird wegen seiner ausgedehnten Gletscherflächen als «dritter Pol» bezeichnet, auch hier die Änderungen nicht völlig synchron: während in den niederschlagsreicheren Gebirgsrändern der Gletscherschwund eher demjenigen in den Alpen gleicht, weisen die hochkontinentalen Bereiche noch vergleichsweise geringe Schwundraten auf. Dort, wo die Vergletscherung gering und der Schwund bereits weit fortgeschritten ist, sind die sommerlichen Abflüsse bereits gesunken, während in den stark vergletscherten Gebieten noch ein Wasserüberschuss aufgrund der erhöhten Schmelzraten verzeichnet wird. Auf lange Sicht wird sich der Flächenrückgang jedoch überall negativ auf die Wasserverfügbarkeit, auswirken.
Forschungsarbeiten im Tien Schan und im Pamir belegen ungünstige Auswirkungen des Gletscherschwunds auf die Wasserbilanz, nämlich eine Erhöhung der Hochwassergefahr im Frühjahr und eine Verknappung der der Ressource im Sommer. Dies hat Konsequenzen für Landwirtschaft und Energiegewinnung und bringt in länderübergreifenden Einzugsgebieten ein erhebliches Konfliktpotenzial mit sich.
 

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Studierende des GIUB

Berichte aus den Feldkursen 2021

26. Oktober 2021, 18.15 – 19.30 Uhr
 

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Prof. Dr. Heinz Veit, GIUB, Bern

Eiszeitliche Gletscherschwankungen, Wasserhaushalt und steinzeitliche Besiedlung in den Bale Mountains, Äthiopien

2. November 2021, 18.15 – 19.30 Uhr

Vor rund 40 000 Jahren siedelten steinzeitliche Jäger in den Bale Mountains in einer Höhe von ca. 3470 m, und zwar über einen Zeitraum von 16 000 Jahren! Dies ist der früheste Nachweis prähistorischer Besiedlung in alpiner Höhenlage. Was trieb diese Savannenbewohner in so grosse Höhe, wo es kalt und windig ist und mit höhenbedingten physiologischen Einschränkungen zu rechnen ist? Unsere Untersuchungen zeigen, dass die klimatischen Bedingungen zu dieser Zeit sogar noch viel extremer waren als heute, mit Jahresdurchschnittstemperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt. Vor allem 3 reichlich vorhandene Ressourcen spielten für die Besiedlung wohl eine essentielle Rolle: Wasser, Nahrungsangebot und Obsidian zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen. Die eiszeitliche Nahrung und die Werkzeuge lassen sich anhand von Höhlensedimenten rekonstruieren. Über die Rekonstruktion der Eisbedeckung und Vergletscherung lässt sich das Wasserangebot abschätzen. Im Vortrag werden die ersten Ergebnisse zur Gletscher-, Klima und Besiedlungsgeschichte vorgestellt. Die Untersuchungen sind Teil der DFG Ethio-European research unit «The Mountain Exile Hypothesis» (Deutsche Forschungsgemeinschaft) und werden teils vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert.
 

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Prof. Dr. Olivia Romppainen-Martius, GIUB, Bern

Hagel in der Schweiz – von der Beobachtung zur Hagelklimatologie

16. November 2021, 18.15 – 19.30 Uhr

Hagel verursacht in der Schweiz jedes Jahr grosse Schäden in der Landwirtschaft, an Fahrzeugen und an Gebäuden. In der Schweiz sind nicht alle Regionen gleich oft von Hagel betroffen, es gibt Hagelhotspots mit häufigen Hagelgewittern im Tessin, im Napfgebiet und im Jura. Hagel entsteht in grossen, gut organsierten Gewitterstürmen. Die Enstehung von Hagel innerhalb der Gewitterstürme ist sehr komplex und entsprechend schwierig ist es Hagelgewitter vorherzusagen. Auch zur zukünftigen Entwicklung von Hagelgewittern in einem wärmeren Klima wissen wir noch sehr wenig. Im Vortrag werde ich eine allgemeine Einführung ins Thema Hagel in der Schweiz geben. Ich starte mit der Enstehung von Hagel in Gewitterstürmen. Danach werde ich die Hagelbeobachtungsysteme der Schweiz vorstellen. Aus den Hagelbeobachtungen kann für das heutige Klima eine Hagelklimatologie abgeleitet werden. Ich schliesse mit Ueberlegungen zum Klimawandel und dessen Auswirkungen auf Hagelstürme in der Schweiz.
 

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Dr. Eva Ludi, Wyss Academy for Nature, Bern

Wasser(un)sicherheit in Afrika

30. November 2021, 18.15 – 19.30 Uhr

Die Länder Afrikas südlich der Sahara durchgehen zur Zeit rapide Industrialisierungs- und Urbanisierungsprozesse. Eine zunehmende Bevölkerung und eine wachsende städtische Mittelschicht führen insgesamt zu einer grösseren Nachfrage nach Nahrungsmitteln, auch durch veränderten Konsumgewohnheiten. Intensive Landwirtschaft, vermehrt auch bewässerte Landwirtschaft und der zunehmende Gebrauch an Agrochemikalien, führt zur Degradierung von natürlichen Ressourcen – Boden, Biodiversität und Wasser. Im Vergleich zu anderen Regionen verfügen viele Länder Afrikas über geringe Wasserspeicherkapazitäten. Zudem sind viele Gewässer – Flüsse, Seen und Grundwasser – grenzüberschreitend, was deren Management und Gouvernanz erschwert. Schon für sich kompliziert genug, finden all diese Entwicklungen inmitten zunehmender Auswirkungen der globalen Erwärmung und Klimakrise statt – einer Klimakrise die sich im gesamten hydrologischen Zyklus niederschlägt und zu vermehrten Extremereignissen führt.
Das Referat von Dr Eva Ludi zeigt nicht nur auf, mit welchen wasserbedingten Problemen die Bevölkerung, die Regierungen und Wirtschaft in Afrikanischen Ländern, veranschaulicht am Beispiel Äthiopiens, umzugehen hat, sondern auch welche Lösungsansätze bestehen, um mit dieser Wasserunsicherheit umzugehen.
 

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Prof. em. Dr. Rolf Weingartner, GIUB, Bern

Schweizer Gewässer im globalen Wandel

14. Dezember 2021, 18.15 – 19.30 Uhr

Spätestens seit der Abstimmung zur Trinkwasserinitiative, welche im Juni 2021 zur Abstimmung gelangte und welche im Vorfeld zu ausufernden und kontroversen Diskussionen führte, hat eine breite Öffentlichkeit wahrgenommen, dass die schweizerischen Gewässer nicht nur durch die Klimaänderung, sondern auch durch den globalen Wandel (Umweltveränderungen, Landnutzungsänderungen, Siedlungsdruck etc. ) betroffen sind. Dabei ist stets zwischen den Auswirkungen auf die Ressource Wasser und damit auf Veränderungen von Quantität und Qualität und den Veränderungen der Gefahrensituation durch Hochwasser zu unterscheiden.
An Fallbeispielen wird aufgezeigt, dass sich die durch den globalen Wandel ausgelösten Herausforderungen im Alpenraum und im Mittelland teilweise deutlich unterscheiden. Die Strategien zur Bewältigung der Herausforderungen und Probleme sind weitgehend bekannt. Trotzdem stellen wir kein adäquates Handeln fest. Eigentlich sind wir seit nunmehr drei Jahrzehnten beobachtende Zeitzeugen, welche die bereits ablaufenden Veränderungen akribisch aufzeichnen und darüber detailliert berichten. Die entscheidende Frage ist aber, ob uns der Schritt vom «Beobachtenden» zum «Handelnden» gelingt?
 

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PD Dr. Daniel Viviroli, Universität Zürich, Zürich

Die Bedeutung der Gebirge für die globalen Wasserressourcen

11. Januar 2022, 18.15 – 19.30 Uhr

Die Bergregionen der Welt werden oft als «Wasserschlösser» bezeichnet: Alle grossen Flüsse entspringen in Gebirgen, und in den Gebirgsregionen entstehen vielerorts überproportional grosse Abflüsse. Doch welche Bedeutung haben Gebirge für die Wasserressourcen der Tiefländer, und wie verändert sich diese Bedeutung unter sich wandelnden klimatischen, demografischen, wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Bedingungen? Der Vortrag widmet sich diesem Thema mit einer globalen Übersicht und einigen regionalen Beispielen, wobei insbesondere die Resultate neuer Modellrechnungen für den Zeitraum 1961 – 2050 vorgestellt werden.
Auf globaler Skala wird beleuchtet, dass Mitte dieses Jahrhunderts etwa 1.5 Milliarden Tieflandbewohner stark von Abflüssen aus den Gebirgen abhängig sein könnten. Dies entspricht knapp einem Viertel der gesamten Tieflandbevölkerung und macht eine starke Zunahme gegenüber den 1960er-Jahren aus, wo nur ca. 180 Millionen Tieflandbewohner oder 7 % der Tieflandbevölkerung bedeutend auf Gebirgsabflüsse angewiesen waren. Für diese Zunahme ist insbesondere der markant steigende Gesamtwasserverbrauch in den Tiefländern verantwortlich.
Eine wichtige Verbindung zeigt sich zudem zur Nahrungsmittelproduktion, wo gegenwärtig etwa ein Drittel der Bewässerungsflächen in den Tiefländern stark von Gebirgsabflüssen abhängig ist und gleichzeitig unter Übernutzung der lokal vorhandenen Wasserressourcen betrieben wird. Bis Mitte Jahrhundert könnten über die Hälfte der bewässerten Tieflandflächen unter dieser kritischen Kombination von Abhängigkeit und Übernutzung stehen.
Eine nachhaltige Entwicklung der Berggebiete ist unbedingt nötig, um deren wichtige Funktion als «Wasserschlösser der Erde» in Zukunft sicherzustellen. Ebenso spielt Klimaschutz eine entscheidende Rolle, um zunehmend unvorteilhafte Veränderungen in Zeitpunkt und Menge der Gebirgsabflüsse zu verhindern.
 

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Dr. Christian Stamm, EAWAG, Dübendorf

Vom Feld in Bach und ins Grundwasser: Pflanzenschutzmittel, ihre Auswirkungen und mögliche Lösungsstrategien

25. Januar 2022, 18.15 – 19.30 Uhr

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Auswirkungen landwirtschaftliche Pestizide auf unsere Gewässer. Es wird dargestellt, wie und wieviel dieser Substanzen in die Oberflächengewässer und ins Grundwasser gelangen und welche besonders kritisch sind. Die Konsequenzen für die Gewässerorganismen und die Trinkwasserqualität werden beleuchtet. Anschliessend werden mögliche Massnahmen zur Reduktion der Einträge und der damit verbundenen Risiken diskutiert und die aktuell ergriffenen Massnahmen eingeordnet. Schlussendlich wird die Frage aufgegriffen, wie der Erfolg der Massnahmenpakete gemessen werden sollen und welche Herausforderungen sich dabei stellen.