Berner Humangeographisches Kolloquium

29. Oktober 2019

Prof. Dr. Nadine Marquardt: Das «smart home» als ökologisches Wohnexperiment

In den letzten Jahren ist der Wohnraum zu einem wichtigen Experimentierfeld ökologischer Modernisierung
geworden. Der Vortrag nimmt neuartige Schnittstellen zwischen Wohnen, Digitalisierung und Informatisierung
im Kontext solcher Experimente in den Blick. Gegenstand der Betrachtung sind smart homes, die den
Wohnraum zum Ausgangspunkt einer realpolitischen Antwort auf die ökologischen Herausforderungen der
Gegenwart machen. Smart homes schlagen die Beantwortung ökologischer Fragen mit digitalen Mitteln vor.
Sie adressieren das Wohnen als Alltagspraxis voller klimarelevanter Verhaltensentscheidungen und Routinen.
Sie versuchen, die Selbstführung der Wohnenden zu modifizieren und Abläufe im Haushalt neu auszurichten.
Sie verschalten den Wohnraum informatorisch mit der Umwelt und verbinden die Steuerung des Wohnens mit
der Regulation großtechnischer Systeme der Energieversorgung. Grundannahme des Vortrags ist, dass der
Wohnraum durch diese Entwicklungen zu einem Schauplatz politischer Interventionen geworden ist, die die
intime Sphäre des Wohnens und die Prozesse im Haushalt, den oikos, auf neuartige Weise mit der
Ökosphäre des Planeten, der Ökologie, verschränken.