Berner Humangeographisches Kolloquium

16 March 2021

M.A. Laura Perler: Das Imaginativ des ‹gesunden› Kindes – Einblicke in die spanische Eizellenspendeökonomie

«Der Hauptzweck der assistierten Reproduktion […] ist ein gesundes Baby: keine Schwangerschaft, sondern ein gesundes Baby». Diese Aussage stammt von José-Luis, einem Reproduktionsmediziner aus Valencia (Spanien). Sie begegnete mir während meiner zehnmonatigen Forschung in einer spanischen Reproduktionsklinik so und ähnlich immer wieder. In meiner Ethnographie untersuche ich diesen Wunsch nach einem ‹gesunden› Kind. Ich frage nach den gesellschaftlichen Vorstellungswelten, auf welche dieses Imaginativ aufbaut und danach, wie sich dieses in konkreten klinischen Praktiken materialisiert. Wie beispielsweise soll ein ‹gesundes› Kind hergestellt werden, wenn – wie dies bei der Eizellenspende der Fall ist – genetisches Material einer Drittperson benötigt wird? In anderen Worten: Welche Selektion ist nötig, damit am Schluss ein möglichst ‹gesundes› Kind entsteht? Und schliesslich: Was bedeutet dies für die Menschen, welche selektionieren oder selektioniert werden? Dieser Vortrag nimmt Sie mit auf eine Reise in das Universum der assistierten und selektiven Reproduktion.