Charta Rogeriana – Weltkarte des Idrisi
Muhammad al-Idrisi (1154) / Konrad Miller (1928)
Die Idrisi-Karte ist die einzige Karte, welche die ganze damals bekannte Welt eingehend darstellt. […] Idrisi gibt in seiner Karte auch die Einteilung der Breitegrade von Grad zu Grad: die Karte entbehrt also nicht, wie man behauptete, der mathematischen Unterlage. […] Der erste Anblick ist freilich befremdend, weil die ganze Welt verkehrt dasteht – die Araber haben nämlich auf ihren Karten Süden oben. Aber bald erkennt man ein getreues Spiegelbild der Zeit der arabischen Weltherrschaft, von Spanien im Westen bis zu den ostindischen Inseln im Osten […].
(Nussbaum 1931, S. 136)
Die Wiederherstellung der Karte durch Miller löste in Bern eine kleine Sensation aus. Die Schweizerische Lehrerzeitung (Heft 7, S. 105) schrieb 1936: Die neuesten Forschungen des Berner Bibliothekars Dr. Hans Strahm zwingen uns aber, unsere bisherige Auffassung zu ändern. Es ist Dr. Strahm gelungen, auf der Weltkarte des Jahres 1154 [...] Bern festzustellen, und zwar am Fusse der Alpen, zwischen der Stadt Genbara (Genf) und der Stadt Ulm. Dieser Ort Bern (Barna) musste also im 12. Jahrhundert für den Fernverkehr, wahrscheinlich als Rast- und Flussübergangsort eine ziemliche Bedeutung besessen haben, sonst wäre er auf der Karte des Idrisi [40 Jahre vor der angeblichen Gründung durch Berchtold V.] nicht eingezeichnet worden.
Bisher wurden hier nur Werke von Autorinnen und Autoren aus dem GIUB vorgestellt. Bei dieser Karte machen wir eine Ausnahme. Prof. Nussbaum liess ein Exempar als Schulwandkarte ausrüsten und überreichte es dem GIUB als persönliches Geschenk. Die Karte hängt momentan im Social Hub. Für ausführliche Erklärungen s. Miller (1926).