mLAB Residency

Erste Residenz-Projekte im mLAB starten ab Herbst

Wir freuen uns die ersten Projekte der mLAB-Residenz bekannt zu geben. Insgesamt haben sich 149 Bewerberinnen und Bewerber mit 35 Projekten um eine Residenz für transdisziplinäre Forschungskooperationen zwischen Wissenschaft, Forschung, (digitalen) Medien und Kunst beworben. Ziel der Residenz ist es, Kooperationen zu fördern, die mit neuen methodischen Ansätzen, Formen der Wissensproduktion und Wissenschaftskommunikation experimentieren. 

Die erste Ausgabe des Residenz-Programms befasst sich mit dem Thema GLOBAL IN/JUSTICE. Während das Projekt Climatology and Climatography of Care die Mess- und Visualisierungsmethoden von Klimadaten auf seine gesellschaftspolitischen Dimensionen hin untersucht, fragt das spekulative Projekt 3000Peaks nach zukünftigen Ideen für die Schweizer Alpengipfel nutzen, wenn alles Eis auf ihnen geschmolzen ist. In beide Projekte ergänzen sich die künstlerischen und wissenschaftlichen Anliegen.

Die Residenzen werden im Herbst am Geographischen Institut durchgeführt und durch die Philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät finanziell unterstützt. Die öffentlichen Teile werden auf der Seite des mLAB angekündigt. 

Die Residenzen werden dazu genutzt, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, die in ein Folgeprojekt münden können – egal, ob es sich um ein ästhetisches Produkt, einen Film, eine Ausstellung, eine Publikation oder ein Forschungsprojekt handelt, das künstlerische Wege der Datenerhebung oder -vermittlung beinhaltet.

Eine neue Ausschreibung für weitere Residenzen wird in Bälde folgen. Hier finden sie die erste Ausschreibung

Die Jury bestand aus Dr. Laura Coppens, Medienanthropologin, Institut für Sozialanthropologie und Filmemacherin; Laura Perler, Sozial- und Kulturgeographin, Geographisches Institut (GIUB); Prof. Dr. Carolin Schurr, Unit-Leiterin Sozial- und Kulturgeographie, GIUB PD Dr. Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit, Institut für Informatik; Dr. des. Alexander Vorbrugg, Unit Kritische Nachhaltigkeitsforschung, GIUB und Mirko Winkel, Koordinator mLAB, GIUB und Künstler

 

Climatology & Climatography of Care

Visual Histories and Global Futures 

Zum Team gehören Dr. Sria Chatterjee, Dr. Jamie Allen und Karolina Sobecka vom Max-Planck Kunsthistorischen Institut und dem Critical Media Lab der FHNW, Basel, sowie Prof. Dr. Stefan Brönnimann vom Geographischen Institut der Universität Bern. Im Rahmen der Residenz werden sie in dieser Konstellation zum ersten Mal zusammen arbeiten.

Das vorgeschlagene Projekt interessiert sich für die Geschichte(n) und Zukünfte der Klimatologie und der Klimatographie, nicht nur als wissenschaftliche Verläufe und Disziplinen, sondern als Instrumente der Wissensproduktion, im Hinblick auf Kolonialismus . Der Klimawandel verursacht nicht nur soziale Ungleichheit, sondern die Art und Weise, wie wir Klimadaten messen, visualisieren und kommunizieren, könnte die komplexen regionalen Unterschiede, das Versorgungsniveau und sozialen Folgen der Klimawissenschaften besser erfassen. Die Perspektive auf die Klimatologie als eine Disziplin, die im wirtschaftlichen und politischen Bereich angesiedelt ist, erweitert die bestehende Forschung am Geographischen Institut. Hier geht es in erster Linie um die Beschäftigung mit der historischen Klimatologie, der Rekonstruktion von Wetter und Klima in den vergangenen ca. 400 Jahren, sowie Forschungen bei denen frühe instrumentelle Daten, Klimamodelle und -dynamik mit Klima- und Gesellschaftswechselwirkungen kombiniert.

Unter Verwendung von gesammeltem historischem Bildmaterial aus ausgewählten internationalen Archiven wird das Team Forschungsarbeiten zu den Themen "Klimadaten-Empathie", Kolonialismus, Klima und Gesundheitswesen erstellen und darüber hinaus versuchen, medientopologische Profile von Sprache, Daten und Bildmaterial zu erstellen. Unter Berücksichtigung der Einflüsse, Geographien und lokalen Praktiken des Sammeln und Messens von Klima-"Daten" werden Klima-Epistemologien im Licht ihrer Verbindungen zur menschlichen und nicht-menschlichen Gesundheit, zum Wohlergehen und zu situierten Lebensformen kartiert. 

Im Mittelpunkt des Projekts steht eine Reihe von halböffentlichen Werkstattgesprächen zwischen den Teammitgliedern, bei denen Modi für die Visualisierung sowie historischer Kontext und klimatologisches Wissen entwickelt werden. 

Ein künftiges Resultat des Projekts "Climatology & Climatography of Care" sieht Arbeiten für die Ausstellung vor, die neu entwickelte Techniken verwenden und das Residenzthema "Global In/Justice" erweitern. 

Dr. Sria Chatterjee ist Postdoc-Stipendiatin am 4A-Lab-Programm des Max-Planck Kunsthistorischen Instituts in Berlin und arbeitet mit dem Projekt Cycles of Circulation am Critical Media Lab Basel zusammen. Sie hat an der Princeton University promoviert und wurde für ihre Dissertation mit dem Charlotte Elizabeth Proctor Prize ausgezeichnet. Sie hat sich auf die politischen Ökologien von Kunst und Design im globalen Süden spezialisiert und ihre Arbeit stützt sich auf transnationale Umweltgeschichten, Wissenschaftsgeschichte - insbesondere Pflanzenwissenschaften, Landwirtschaft und Klimatologie, Landschaftsstudien, Design und Kybernetik. Derzeit ist sie Mitherausgeberin bei British Art Studies, und ihre Arbeit wurde oder wird in Kürze in Zeitschriften wie Contemporary Political Theory, Cultural Politics u.a. veröffentlicht.  

Dr. Jamie Allen beschäftigt sich damit, was Medien und Technologien uns darüber lehren, wer wir als Individuen, Kulturen und Gesellschaften sind. Er wurde in Kanada geboren und ist Elektronikingenieur, Polymerchemiker und Ausstellungsgestalter. Er macht gerne Dinge mit Kopf und Händen - experimentiert mit den materiellen Systemen von Medien, Elektrizität und Information in Form von Kunstwerken, Veranstaltungen und Texten. Er lebt in Europa, arbeitet an Kunst- und Forschungsprojekten, schreibt reichlich und engagiert sich und versucht, präfigurative Institutionen zu schaffen, die großzügig und kooperativ agieren, da er anerkennt, dass Freundschaft, Leidenschaft und Liebe für ästhetische und forschende Praktiken von zentraler Bedeutung sind. Er ist Senior Researcher am Critical Media Lab Basel. (www.jamieallen.com)

Karolina Sobecka ist eine Künstlerin und Wissenschaftlerin, die an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie arbeitet. Sie gestaltet und beteiligt sich an sozialen Strukturen, die den technologischen Wandel kanalisieren, beherbergen oder sich ihm widersetzen. In ihren aktuellen Projekten untersucht Karolina Sobecka die Begriffe Ökologie und Governance anhand von Fallstudien in den Bereichen Klima- und Kohlenstofftechnik. Derzeit ist sie Doktorandin am European Center for Art, Design and Media based Research Basel und an der Kunstuniversität Linz.

Prof. Dr. Stefan Brönnimann leitet die Gruppe für Klimatologie am Geographischen Institut der Universität Bern. Er gehört mit seiner Gruppe auch dem Oeschger Zentrum für Klimaforschung. Sie bereiten historische Atmosphärendaten des letzten Jahrhunderts auf und erstellen daraus dreidimensionale Datensätze für die Zeitperiode vor dem Start moderner Messreihen. Mit diesen Datensätzen analysieren sie grossräumige Klimaschwankungen und -extreme.




3000Peaks

conversing alps in times of climate crisis

Im Rahmen der ersten mLAB Residency werden Jana Thierfelder, Marius Förster, Peter Tränkle zusammenkommen, um im Dialog mit dem Geographischen Institut ein spekulatives Gedankenexperiment zu initiieren. 

Dieses ist Teil eines mehrstufigen Vorhabens, mit dem sie das Selbstverständnis der Schweiz im Angesicht der Klimakrise befragen. In den Schweizer Alpen taut der Permafrostboden, wird das Alpengestein zunehmend instabil und Ereignisse, wie Erdabgänge, Steinschläge oder Bergstürze häufen sich. In einem Open Call lädt das Projekt 3000Peaks dazu ein, Ideen zur Neugestaltung der rund 3000 betroffenen Schweizer Alpengipfel sowie zur Verwendung der abgetragenen Gesteinsmassen zu entwickeln. Die so generierten Perspektiven und Narrative sollen über öffentliche Diskussionen Akteur*innen mit unterschiedlichsten Interessen vernetzen, den Horizont des Vorstellbaren erweitern sowie die Komplexität von Gestaltungsprozessen verhandeln.

Im mLab wird der Open Call vorbereitet. Über partizipative Formate OpenStudio, Common Grounds und Graphic Mapping sucht das Projekt im Rahmen der Residency den Austausch mit den Wissensfeldern des Geographischen Instituts und begibt sich in die „betroffenen“ alpinen Gemeinden. Das Ausloten von Schnittmengen zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Anliegen verfolgt das Ziel, Perspektiven anzureichern, zugänglich und diskutierbar zu machen. Konkrete Ergebnisse möchte das Team zusammen mit den Wissenschaftler*innen sowie den Bewohner*innen der involvierten Gemeinden definieren.

Der “Spitzenverlust” betrifft nicht nur Anwohner*innen und wirtschaftliche Interessen, sondern erodiert die identitätsstiftende Bedeutung der Alpen – also sowohl das regionale und nationale Selbstverständnis als auch die Fremdwahrnehmung. Das Projekt 3000Peaks fragt, wie in einer gemeinsamen spekulativen Exploration Vorstellungs- und Handlungskompetenzen durch Verteilung und Vernetzung multipliziert werden können?

 

Open Studio

In Form eines Open Studio begibt sich das Team auf die Suche nach Schnittmengen zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Anliegen im Kontext der Transformationsprozesse in den Alpen. Über das Sammeln, Reflektieren und Erproben verschiedener Positionen werden (temporäre) Formen der Repräsentation vor Ort und im Digitalen (3000peaks.com) entwickelt. Das dient u. a. der längerfristigen Ausarbeitung der Webseite von 3000Peaks als mediales Hub.

 

Common Grounds

Mit Besuchen in alpinen Gemeinden des Berner Oberlands, möchten wir deren Bewohner*innen zum gemeinsamen Fabulieren im spekulativen Narrativ von 3000Peaks einladen, um einerseits persönlichen Kontakt zu relevanten Gemeinden herzustellen sowie andererseits die Stimmen, Ideen und Fantasien ihrer Bewohner*innen gleichberechtigt in den eröffneten gemeinsamen Diskursraum einzuweben. Über Gespräche und Interviews aber auch praktisch-interaktive Begegnungsformate (Mini- bzw. Ad-hoc-Workshops) soll die Lust am Spekulieren gefördert und das Potenzial entstandener Ideen besprochen werden.

Mit Besuchen in alpinen Gemeinden des Berner Oberlands, möchten wir deren Bewohner*innen zum gemeinsamen Fabulieren im spekulativen Narrativ von 3000Peaks einladen, um einerseits persönlichen Kontakt zu relevanten Gemeinden herzustellen sowie andererseits die Stimmen, Ideen und Fantasien ihrer Bewohner*innen gleichberechtigt in den eröffneten gemeinsamen Diskursraum einzuweben. Über Gespräche und Interviews aber auch praktisch-interaktive Begegnungsformate (Mini- bzw. Ad-hoc-Workshops) soll die Lust am Spekulieren gefördert und das Potenzial entstandener Ideen besprochen werden.

Jana Thierfelder promoviert seit Oktober 2017 bei Prof. Dr. Michaela Schäuble und Prof. Dr. Priska Gisler. (Doktoratsprogramm SINTA, Universität Bern & Berner Kunsthochschule) zur Rolle visueller Entwurfsverfahren im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess. Daneben ist sie Assistentin am Master Transdisziplinarität der Zürcher Hochschule der Künste. 

Marius Förster arbeitet an der Schnittstelle von Design, Forschung und Kunst. In seiner Arbeit untersucht er mögliche Rollen und Grenzen der Gestaltung in sozialen Transformationsprozessen. Er ist Mitherausgeber der Publikation Un/Certain Futures (transcript, 2018) und Mitbegründer des Design Studios operative.space.

Peter Tränkle ist Techniksoziologe und in transdisziplinären sowie transkulturellen Kollaborationskontexten aktiv. Er ist Mitinitiator des Projektes „QWAS - Migrating Dialogue“ und zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Zürcher Hochschule der Künste am Departement Kulturanalysen und Vermittlung.