Vortragsreihe Geographische Gesellschaft Bern

Giovanni Danielli

Tourismus und Mobilität: Auf der Suche nach Nachhaltigkeit

Der Tourismus löst grosse Verkehrsströme aus und ist eine treibende Kraft der Landschaftsveränderung. Je intensiver der Tourismus ist, desto stärker sind auch die Nutzung der Landschaft und das Verkehrsaufkommen. Je zahlreicher die Sportaktivitäten, Freizeitattraktionen, Verpflegungs-, Übernachtungs- und Transportinfrastrukturen sind, desto deutlicher hinterlässt der Tourismus seine Spuren. Das zentrale Kapital der Tourismus – die Landschaft – steht unter grossem Druck; auch benötigt er sehr viel Energie.
Doch es besteht Hoffnung: Es gibt einen Trend, dass Touristen in Zukunft qualitätsbewusster, erlebnisorientierter und sensibler für Umweltthemen sein werden. Sie suchen Natürlichkeit und Authentizität, verlangen aber gleichzeitig vielfältige Angebote. Diese teils widersprüchlichen Trends zeigen auf, dass der Tourismus alles andere als statisch ist.

 

Petra Döll

Wasserressourcen, Klimawandel und Gerechtigkeit
Eine Annäherung aus physisch-geographischer Sicht

Vortrag gemeinsam mit dem Alpinen Museum Schweiz

Die Süsswasserressourcen der Erde sind begrenzt und knapp. Wie sollten sie gerechterweise genutzt werden, z.B. im Amazonas- und Nileinzugsgebiet? Die Nutzung fossiler Brennstoffe, die Grundlage des modernen Wohlstands, hat zum Klimawandel geführt. Wie sieht es hier mit der Verteilungsgerechtigkeit aus? Als Hydrologin nähere ich mich der Gerechtigkeit in den Themenfeldern Wasserressourcen und Klimawandel aus physisch-geographischer Sicht, u.a. über anamorphe Weltkarten.

 

Jürgen Blaser

«Lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – es ist soweit!»
Über die veränderte Rolle des Waldes weltweit

Wälder kommen und gehen auf einer geologischen Zeitskala, aber heute ist die Veränderung an einem menschlichen Zeitplan messbar. Die Vorausschau über eine Baumgeneration lässt viele Spekulationen offen. Was ist die Zukunft der Wälder in Anbetracht des globalen Wandels? Wälder und Bäume sind eine erneuerbare Ressource, die eine grosse Bandbreite an Produkten und Ökosystemdienstleistungen zur Verfügung stellt. Angesichts der Rückgänge bei der Verfügbarkeit von nicht erneuerbaren Ressourcen und Veränderungen der Umwelt, ist das Schicksal der Wälder in Zukunft von grundlegender Bedeutung für die Menschheit.

 

Elisabeth Bürgi Bonanomi

Nachhaltige Agrarimporte in die Schweiz – zwischen Völkerrecht und Forderungen nach Fair-Food und kooperativer Ernährungssouveranität

Gegenwärtig wird die Fair-Food-Idee in der Schweiz diskutiert: Soll die Schweiz Importe von nachhaltig produzierten Agrarprodukten besonders fördern, und wenn ja, mit welchen Instrumenten? Was wäre unter «nachhaltig» zu verstehen? Würden solche Anreize einen Beitrag zur Armutsreduktion leisten, oder würden sie vielmehr den Marktzugang für die verletzlichsten AnbieterInnen weiter erschweren? Und würden sie gegen WTO- und EU-Recht verstossen? Die Referentin zeigt auf, wie die Fair-Food-Idee – eingebettet in das Konzept eines nachhaltigen Agrarhandels – diskriminierungsfrei umgesetzt werden könnte.

 

Marianne Huber

Afghanistan – Entwicklung in fragilem Umfeld im Spannungsfeld von internationalen Akteuren und lokalen Bemühungen

Die Schlagzeilen zu Afghanistan sind dominiert von Meldungen zu Krieg und Gewalt und vermitteln ein Bild von Hoffnungslosigkeit. Gleichzeitig ist Afghanistan der Brennpunkt von einem nie dagewesenen internationalen politischen und militärischen Engagement seit Ende 2001, dem Fall des Taliban-Regimes. Afghanistan ist ein Schwerpunkt des Schweizer Engagements in fragilen Kontexten. Die DEZA ist seit 2002 aktiv mit einem langfristig angelegten Aufbauprogramm mit Schwerpunkten in Bildung, lokaler Gouvernanz und Menschenrechten. Die leidvolle Geschichte Afghanistans zeigt deutlich, dass der Weg heraus aus Gewalt und Not Jahrzehnte dauert, von Rückschlägen begleitet ist, aber auch Errungenschaften aufweist.

 

Christiane Fröhlich

Dürre, Migration und Konflikt in Syrien
Lokale Folgen des globalen Problems Klimawandel

Sogenannte «Umwelt-» oder «Klima-Migration» wird als wichtiges Verbindungsglied zwischen Klimaeffekten und (Gewalt-)Konflikten angesehen. Syrien hat sich hier zu einer Art Vorzeigebeispiel entwickelt: Dort wird einer «Jahrhundertdürre» zwischen 2006 und 2010 und der von ihr hervorgerufenen Binnenmigration eine wichtige Rolle für Zeitpunkt und Intensität der syrischen Revolutionsbewegung zugeschrieben. Der Vortrag differenziert dieses Bild und beantwortet die Frage, welche Rolle die innersyrischen «Klima-MigrantInnen» für die anfangs friedlichen Demonstrationen gespielt haben.

 

Führung durch Ausstellung

«Wasser unser»

Alpines Museum der Schweiz, Helvetiaplatz 4, 3005 Bern
Keine Anmeldung erforderlich. Kosten: Fr. 10.-

Wasser ist Energie, ist Leben. Die Vorstellung der Schweiz als alpines Wasserschloss Europas sitzt in unseren Köpfen. Wiederkehrende Hitzesommer oder schneearme Winter stellen sie in Frage.
«Wasser unser» wagt den Blick in die Zukunft und verbindet Forschung mit Fiktion. Ausgehend vom wissenschaftlichen Stand von heute, entwickeln vier zeitgenössische Autorinnen sechs Entwürfe für unsere Wasserzukunft.

 

Studierende des GIUB

UNESCO-Kulturerbe Bern/Wallis
Exkursion durch Russland
Ostdeutsche Städte zwischen Wachstum und Schrumpfung
USA Field-Trip

Berichte von den Feldkursen 2016, mit anschliessendem Apéro, gestiftet vom GIUB.

 

Martin Coy

Im Griff der Globalisierung
Agrobusiness und Regionalentwicklung in Brasilien

Im Zuge des weltweiten Booms der commodities (Rohstoffe) hat die brasilianische Wirtschaft in den letzten Jahren einen Prozess der «Re-Primarisierung» durchlaufen. Dabei spielt vor allem Soja eine zentrale Rolle. Einige Teilregionen Brasiliens sind in besonderem Masse betroffen. So haben hochmoderne, ausschliesslich weltmarktorientiert wirtschaftende Grossfarmen in den letzten Jahren den vormals absolut peripheren Bundesstaat Mato Grosso im Übergang des brasilianischen Mittelwesten nach Amazonien zu einer der weltweit wichtigsten Regionen des Sojaanbaus gemacht. Diese «Erfolgsgeschichte» ist jedoch mit erheblichen sozialökologischen Kosten, spezifischen Verwundbarkeiten und Verdrängungsprozessen verbunden. Diese Entwicklung sowie die Frage nach alternativen Entwicklungspfaden stehen im Zentrum des Vortrages.

 

Peter Messerli

Die Agenda 2030 der UNO – Kompass für eine gerechte Entwicklung?

Die Agenda 2030 beansprucht einen Paradigmenwechsel im Umgang mit nachhaltiger Entwicklung: Sie soll unter anderem Industrieländer einschliessen, die Privatwirtschaft in die Finanzierung einbinden, partizipativ verhandelt werden und planetare Grenzen berücksichtigen. Wird mit der Agenda 2030 nachhaltige Entwicklung zum zentralen Konzept unserer Zeit? Vermag die Agenda 2030 als Kompass für eine gerechte Entwicklung dem Konzept Sinn und Bedeutung verleihen? Der Vortrag will diesen Fragen nachgehen, indem wir reflektieren was die ‹Sustainable Development Goals/SDGs›-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung – leisten können und was nicht.
Am Beispiel der Forschung von Landsystemen erläutern wir welche Chancen und Risiken die Agenda 2030 für die Wissenschaft und auch die Geographie birgt.

 

Christian Berndt

Re-Mapping América Latina?
Globale Commodity-Märkte, exportorientierte Landwirtschaft und land-grapping in Argentinien

Argentinien hat sich innerhalb der letzten zwanzig Jahre auf dem Weltmarkt als drittgrösster Exporteur von Soja etabliert. Die gesellschaftlichen Folgen des Sojabooms sind so tiefgreifend, dass im Land von sojización gesprochen wird.
Der Vortrag geht der Frage nach, welche einzelnen Entwicklungen diesen Prozess möglich machen und welche Probleme damit verbunden sind.

 

Tatjana Thimm

Nachhaltiger Tourismus in Kerala – ein Modell für die Welt?

Nicht erst seit dem Filmerfolg «Life of Pi» ist der indisches Bundesstaat Kerala ein weltweit gefragtes Reiseziel. Hausboottouren auf den berühmten «backwaters», Tigerbeobachtung in Nationalparks, Wellness in Ayurveda-Resorts, Teetrinken in Munnar oder einfach nur «sun and beach» an den vielen Stränden – Kerala ist eine bekannte touristische Marke und bezeichnet sich auch als «God’s Own Country». Es existieren vielfältige Ansätze, den Tourismus in Kerala nachhaltig zu gestalten. Inwiefern man Kerala wirklich als nachhaltige Destination bezeichnen kann und wer vom Tourismus dort profitiert, sind die Themen dieses Vortrags.

 

Reinhard Schulze

Gescheiterte Staaten, gescheiterte Gesellschaften und die Um-Ordnungen in der arabischen Welt seit 2011

Lange war man im Westen davon überzeugt gewesen, dass zwischen Religion und Gesellschaft ein Friedenszustand gefunden worden ist, der dem Staat die Funktion eines neutralen Schiedsrichters zuweist. Die Umbrüche in der arabischen Welt hingegen scheinen zu einer tiefgreifenden Um-Ordnung dieser Ordnung zu führen. Nicht nur die Rolle des Staates steht dadurch zur Disposition, sondern auch das Konzept einer Nation und der Raum, den ein Nationalstaat für sich in Anspruch nimmt. Je weniger sich Menschen in arabischen Ländern wie Syrien, Irak oder Jemen zustimmend zu dieser Ordnung verhalten, desto mehr treten konkurrierende Vorstellungswelten auf, die für sich Raum und Ort reklamieren. Steht der Nahe Osten damit auch vor einer weitreichenden räumlichen Neuordnung?

 

Martin Doevenspeck

Rohstoffe und Rebellionen: Bewaffnete Konflikte und internationales Peacebuilding im Ostkongo

In den gängigen Interpretationen der seit über zwanzig Jahren andauernden bewaffneten Konflikte im Ostkongo werden oft die auf dem Weltmarkt begehrten Zinnerze als Ursache, Gegenstand und Antriebskraft der Kriege genannt. Demgegenüber steht die Analyse des Geschehens als in erster Linie lokale Konflikte um Zugang zu Land als Ansatzpunkt für die Umsetzung globaler Modelle des Peacebuildings. Der Vortrag bringt die unterschiedlichen Perspektiven zusammen und wird dafür den Bergbausektor rund um den Kivusee analysieren und den vorherrschenden Ansatz der Konflikttransformation hinterfragen.

 

Colette Peter

Identifikation oder Opposition? Wie die Bevölkerung von Andermatt mit dem Sawiris-Projekt umgeht

Das Unternehmen Andermatt Swiss Alps (ASA) realisiert in Andermatt auf Initiative des ägyptischen Investors Samih Sawiris ein Tourismusresort. Die Studie BESTandermatt erforscht über einen Zeitraum von zehn Jahren die soziokulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen des Resorts in Andermatt. Die partizipativ angelegte Studie soll den involvierten AkteurInnen vor Ort einen konstruktiven Umgang mit den anstehenden Veränderungen ermöglichen.

 

Studierende des GIUB berichten von den drei Feldkursen 2015

Vom Rheintal über Vorarlberg ins Tirol (Leitung PD Dr. Margret Keiler)
Grenzen und Minderheiten in Ostmitteleuropa (Leitung Dr. Béla Filep, Prof. Doris Wastl-Walter)
Laos (Leitung Prof. Urs Wiesmann, Dr. Andreas Heinimann)

Feldkurse geben den Studierenden die Gelegenheit, «Geographie» praktisch zu erfahren und zu erleben. Im Studium erarbeitete theoretische Konzepte werden mit realen Situationen im Feld konfrontiert: Fragestellungen müssen angepasst, Fragen neu gestellt werden. Feldkurse sind damit ein wichtiger Bestandteil des Studiums und gleichzeitig auch stets ein Abenteuer für alle Beteiligten. An diesem Abend lassen uns die Studierenden an ihren Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben.
Mit anschliessendem Apéro gestiftet vom GIUB.

 

Lorenz King

Georgien – Nach postsowjetischem Umbruch ein hoffnungsvoller Aufbruch?

Georgien ist natur- und kulturräumlich ein vielseitiges, faszinierendes Land. Der postsowjetische Umbruch brachte wirtschaftlich und politisch chaotische Jahre. Nach der Jahrhundertwende folgte ein hoffnungsvoller Aufschwung, der im Sommer 2008 durch den Krieg mit Russland zunichte gemacht wurde. Georgien spielt heute eine wichtige politische Rolle als Korridor zwischen dem Schwarzen Meer und Zentralasien und versucht durch engere Anbindung an die EU einen erfolgversprechenden Weg zu einer nachhaltigen Landesentwicklung mit den klassischen Schwerpunkten ökologische Landwirtschaft und Tourismus.

 

Nikolaus Kuhn

Was macht ein Geograph auf dem Mars? Vergleichende Planetenforschung – vom Mars für die Erde lernen

Der Mars ist der erdähnlichste Planet des Sonnensystems und zeigt Spuren einer warmen und feuchten Vergangenheit, ist heute aber kalt und lebensfeindlich. Dies wirft die Frage auf, warum die Umwelt eines Planeten einen solchen grundlegenden Wandel erfahren kann. Eine Antwort darauf hilft auch zu verstehen, wieviel Stress der Mensch der Erde zufügen kann, ohne einen katastrophalen planetaren Umweltwandel auszulösen.
Geowissenschaftler sind seit Beginn des Raumfahrtzeitalters an der Erforschung des Mars beteiligt. Sie befassen sich besonders mit den Unterschieden zwischen Erde und Mars und deren Folgen für Umwelt- und Landschaftsentwicklung. Nikolaus Kuhn stellt in diesem Vortrag seine experimentelle Arbeit zur Sedimentation auf dem Mars, einschliesslich der Versuchsflüge im Rahmen des MarsSedEx Programms, vor.

 

Martin Rickenbacher

Zeitreisen durch die Kartenwerke von swisstopo – Eine kartographische Weltneuheit

Das Bundesamt für Landestopographie swisstopo hat seit seiner Gründung durch Guillaume- Henri Dufour im Jahr 1838 drei Landeskartenwerke samt ihren Grundlagen produziert. Die Gesamtheit dieser Bestände bildet als topographisches «Landschaftsgedächtnis der Schweiz» ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Zum 175-Jahr-Jubiläum hat swisstopo auf seiner Homepage die «Zeitreise» aufgeschaltet. Mit dieser Webapplikation lassen sich an beliebigen Orten der Schweiz Veränderungen des Kartenbildes von 1844 bis heute auf attraktive Weise am Bildschirm visualisieren.
Das Referat vermittelt Hintergrundinformationen zu dieser weltweit einmaligen Realisierung des kartographischen Öffentlichkeitsprinzips und stellt ausgewählte Beispiele vor.

 

Helmut Brückner

Auf den Spuren Heinrich Schliemanns nach Troja – Geoarchäologische Forschungen im Mittelmeerraum und am Schwarzen Meer

Die Geoarchäologie vereinigt geographische mit archäologischen und historischen Inhalten. Mittelmeer- und Schwarzmeerraum eignen sich für derartige Studien, weil sie seit vielen Jahrtausenden kontinuierlich von Menschen besiedelt sind. Da das mediterrane Ökosystem in vieler Hinsicht labil ist, hatten Eingriffe der Menschen in den Naturhaushalt schnell grosse Auswirkungen; Geo-Bio-Archive geben Aufschluss über die jeweiligen Umweltbedingungen. Diese Landschaftsentwicklung kann anhand paläogeographischer Szenarien nachvollzogen werden.
Der Vortrag beleuchtet den raumzeitlichen Landschaftswandel an den Küsten der östlichen Mediterraneis und des Schwarzen Meeres exemplarisch u.a. an den Beispielen der Städte Troja, Milet und Ephesus.

 

Daniel Bieri

Abenteuer Vermessung im Karakorum – Aufbau eines Frühwarnsystems für Gletscherseeausbrüche

In einem sehr abgelegenen Hochgebirgstal Westchinas, einem militärisch sensiblen Gebiet an der Grenze zu Pakistan, staut der Kyagar-Gletscher auf 4800 m.ü.M. immer wieder gefährliche Seen auf, deren Wassermassen sich innert weniger Stunden entleert und zu schweren Überflutungen und Zerstörungen im talwärts gelegenen Siedlungs- und Landwirtschaftsgebiet geführt haben. Im September 2012 ist es einem Team von Schweizer Fachleuten, trotz erschwerten Bedingungen, endlich gelungen, den Gletschersee zu erreichen und eine Überwachungs- und Klimastation zu installieren.
Im Vortrag berichtet Daniel Bieri von den Erfahrungen und Schwierigkeiten anlässlich der Expedition in eine weitgehend unbekannte Gegend.

 

Sibylle Reinfried

Alltagswissen als Stolperstein – Wie unsere Denkgewohnheiten uns am Lernen hindern

Wie benutzen wir unser Alltagswissen, um uns bestimmte Phänomene der Welt subjektiv plausibel zu machen? Diese Fragen spielen beim Lernen eine grosse Rolle, weil subjektives Wissen das Erfassen von Fachwissen stark erschweren kann. So machten in einer Strassenumfrage in Luzern zum Thema Klimawandel mehr als die Hälfte von 250 Befragten fälschlicherweise das Ozonloch für die globale Erwärmung verantwortlich und konnten nicht verstehen, welche Rolle die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre dabei spielt.
Im Vortrag wird anhand dieses und weiterer Beispiele beleuchtet, wie subjektives Wissen entsteht und mit welchen Ansätzen SchülerInnen und Studierende für neue Denkweisen aufnahmefähig gemacht werden können.

 

Studierende des Geographischen Instituts Bern

Berichte aus den Feldkursen Bolivien, Äthiopien, Leipzig – Erlebnisse und Erfahrungen kritisch beleuchtet

Feldkurse als integrativer Bestandteil des Geographie-Studiums sind eine wertvolle Möglichkeit, Geographie hautnah zu «erfahren». In Kurzbeiträgen berichten Studierende über ihre Erlebnisse und Erfahrungen, die sie in diesem Sommer in Bolivien, Äthiopien und Leipzig gemacht haben und stellen die Zielsetzungen und methodischen Ansätze dieser Lehrveranstaltungen aus ihrer Sicht vor.
Anschliessend Apéro, gespendet vom Geographischen Institut

 

Lukas Straumann

Karten für den Regenwald – Community Mapping und Landrechte in Borneo

Innerhalb von drei Jahrzehnten wurden fast 90 Prozent der Urwälder im malaysischen Bundesstaat Sarawak auf Borneo abgeholzt. Besonders betroffen sind die vom Regenwald lebenden Penan-Ureinwohner. Während die Herrscherfamilie von Sarawak ihren Reichtum ins Unermessliche steigerte, geht die indigene Bevölkerung leer aus. Die letzten Jäger und SammlerInnen mussten sesshaft werden. Heute drohen Ölpalm-Plantagen und Staudämme ihren Lebensraum vollends zu zerstören. Trotzdem geben die Penan nicht auf.
Im Referat geht es um diesen Kampf für Landrechte, in dem Karten eine zentrale Rolle spielen, und auch um die Frage, wo das Geld aus 30 Jahren Urwaldzerstörung geblieben ist.

 

Urs Wiesmann, Lilian Trechsel

Karten mit Einfluss?
Entstehung und Wirkung eines hochauflösenden sozio-ökonomischen Atlas‘ für Kenia

Mitte 2014 wurde ein sozio-ökonomischer Atlas für Kenia publiziert, erarbeitet in Partnerschaft zwischen lokalen Institutionen und der Universität Bern. Er basiert auf einer detaillierten Auswertung von 38 Millionen Fragebogen der Volkszählung 2009 und von 33’000 vertiefenden Haushaltsinterviews. Der räumlich hochauflösende Atlas hat zum Ziel, Entscheidungshilfen für lokale, nationale und internationale Akteure zu liefern.
Im Vortrag wird dargestellt, welche Herausforderungen dieses Ziel für die Produktion des Atlanten stellte und welche Auswirkungen auf die kenianischen Entwicklungsanstrengungen zu erwarten sind.

 

Kathrin Rieder

Freilichtmuseum Ballenberg – Vom Bauernhausmuseum zur Vermittlung von Kultur und Tradition

Das Freilichtmuseum Ballenberg ist als Kompetenzzentrum für die Vermittlung von ländlicher Kultur geschätzt. Seine architektur-, wirtschafts-, alltags- und sozialhistorischen Themen bieten Anknüpfungspunkte zu zahlreichen gesellschaftlichen und kulturellen Fragen der Gegenwart. Damit ermöglicht das Museum eine dynamische Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es vermag Zusammenhänge aufzuzeigen und hat das Potential, die historischen Erfahrungen für neue zukünftige Lösungsansätze fruchtbar zu machen.

 

Heinz Veit

Bevor Kolumbus kam: Prähistorische Landnutzung und Umweltentwicklung im bolivianischen Amazonasgebiet

Bisher galt die Amazonasregion bis zur Ankunft der Spanier als relativ menschenleerer Raum mit Jägern und Sammlern. Jüngste Funde von Siedlungsspuren weisen nun darauf hin, dass möglicherweise vor 2000 –3000 Jahren bereits relativ weit entwickelte Kulturen existierten. Anhand eines aktuellen Forschungsprojektes im bolivianischen Amazonas wird der Kenntnisstand vorgestellt: Welches war das «Know-how» der Bevölkerung? Bestanden damals eventuell andersartige Umweltverhältnisse, die eine dichtere Besiedlung erlaubten?

 

Ute Wardenga

Europäische Geographische Gesellschaften als Vermittlerinnen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit (1850 – 1950)

Seit ihrer Gründung fungierten Geographische Gesellschaften europaweit als Vermittlerinnen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Sie regten einerseits Forschung an und waren andererseits Triebfedern der Vermittlung des neuen geographischen Wissens. Der Vortrag zeigt anhand von ausgewählten europäischen Gesellschaften auf, wie und warum Geographische Gesellschaften zu wesentlichen Akteurinnen einer durch sie auch immer wieder veränderten Grenzziehung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit wurden.

 

Jeannine Wintzer

Vom geographischen Phänomen zur gesellschaftlichen «Tatsache»: Acht Schritte zur Erklärung der Welt

Die Bevölkerungsforschung untersucht und erklärt Struktur, Wanderung und Verteilung der Bevölkerung und hat dazu ein breites Instrumentarium quantitativer Methoden entwickelt, deren präzise Zahlen versprechen, objektive Darstellungen gesellschaftlicher Phänomene zu bieten. Nur selten werden diese Berechnungsmethoden kritisch hinterfragt, noch viel zu oft werden statistische Daten als «Tatsache» genommen. Der Vortrag möchte aufzeigen, wie Bevölkerung objektiv untersucht werden kann und wissenschaftliche Erkenntnisse dadurch Glaubwürdigkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft erreichen können.

 

Martin Müller

Macht und Öffentlichkeit bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi

Im Februar 2014 werden die Olympischen Winterspiele in der russischen Stadt Sotschi zu Gast sein. Der Vortrag stellt die Pläne für den Umbau Sotschis vor und geht der Frage nach, wie Macht und Öffentlichkeit in diesem Mega-Event verquickt sind. Die Winterspiele 2014 stellen für Russland eine Gelegenheit dar, sich auf der internationalen Weltbühne zu präsentieren und bilden zudem ein hervorragendes Anschauungsbeispiel für die russische Spielart des Regierens.

 

Studierende Geographisches Institut

Feldkurse 2013: Hamburg, Bolivien, Kenia und Geographisches Trekking durch die Schweizer Alpen

In Kurzbeiträgen berichten Studierende über ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie in den Feldkursen im Rahmen des Studiums in diesem Sommer gemacht haben und stellen die Zielsetzungen und methodischen Ansätze dieser Form von Lehrveranstaltungen aus ihrer Sicht vor.

 

Winfried Schenk

Kulturlandschaft als Aufgabe der Bürgergesellschaft

In der UNESCO-Welterbe-Konvention wird die Ausweisung von (Kultur)Landschaften – als «Ausdruck der Vielfalt des gemeinsamen Natur- und Kulturerbes der Menschen und ihrer Identität» – vor allem ExpertInnen aufgetragen. Demgegenüber überlässt die Europäische Landschaftskonvention die Bestimmung von schützenswerten Kulturlandschaften der Wahrnehmung der Bevölkerung und verbindet damit die Verpflichtung zu deren Erfassung, Bewertung und Weiterentwicklung. Sie übergibt somit die Pflege und Weiterentwicklung von Kulturlandschaften der Bürgergesellschaft. Wie dies umgesetzt werden kann, wird an Beispielen aufgezeigt.

 

Christian Erik Pohl

Von der Predigt zum Dialog – Über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft verändert. Wurde es früher vor allem als eine Aufgabe des Informationstransfers von der Wissenschaft in die Gesellschaft verstanden, ist heute das Modell des Dialoges von zunehmender Wichtigkeit. Im Vortrag werden beide Modelle anhand theoretischer Überlegungen und praktischer Beispiele vorgestellt und diskutiert.

 

Walter Ruggle

Die ganze Welt auf einer Leinwand oder Die Geographie des Kinos

Film war die Kunstform des 20. Jahrhunderts und lebt in verschiedensten Variationen weiter. Die Leinwand ist ein Fenster zur Welt – wo der Norden und der Westen dominieren! Wie sieht es im Süden und im Osten aus? Diese Teile der Welt werden meist ausgegrenzt. Damit stellt sich die Frage: Wie entstehen Filme? Wer entscheidet darüber, ob und welche Filme ins Kino, ins Fernsehen oder ins DVD-Angebot gelangen? Die Stiftung trigon-film setzt seit 25 Jahren andere Akzente im filmischen Angebot und fördert bewusst Filme aus wenig bekannten Gegenden und zu oft unbequemen Themen. Walter Ruggle erzählt von der Arbeit mit Filmen von anderswo und zeigt Beispiele.

 

Michael Hermann

Geographie und Politik vernetzt

Nach ihrer Blütezeit in den 1970er Jahren kam die Wahl- und Abstimmungsgeographie ausser Mode – heute feiert sie eine Renaissance, jedoch weniger in der Geographie als in der Politikwissenschaft. Im Referat plädiert Michael Hermann für eine Politische Geographie, die sich ihrer alten Stärken besinnt. Erst die Vernetzung der Perspektiven führt zu einem neuen Verständnis der Wechselwirkung von Raum und Politik.

 

Samyr Mezzour

Desertec – Von der Vision zur Realität

Desertec steht für eine übergeordnete Vision der Versorgung eines Grossteiles der Welt mit nachhaltigem Strom. Die Wüsten im Nahen Osten und in Nordafrika (MENA) bieten ausgezeichnete Bedingungen für grossflächige Stromerzeugung aus Wind und Sonne. Der mit Wind und Sonne erzeugte Strom ist primär dafür gedacht, die lokale Nachfrage in Nordafrika und im Nahen Osten zu decken und es den Produzentenländern zu ermöglichen, Strom zu exportieren. Das langfristige Ziel bis 2050 ist die Deckung eines erheblichen Teiles des Energiebedarfs der MENA-Länder sowie von bis zu 20% des europäischen Strombedarfs.
Desertec versteht sich in diesem Prozess als Wegbereiter, Koordinator und Partner internationaler und lokaler politischer und industrieller Vertreter. Es geht nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um die Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Transfer von Wissen und Know-how in den Nahen Osten und nach Nordafrika.

 

Gülcan Akkaya

Transnationale Orientierung in MigrantInnen-Netzwerken

Transnationale Netzwerke ermöglichen MigrantInnen, sich im Zuwanderungsland zu organisieren und durch den Transfer von Gütern und Dienstleistungen die Angehörigen im Herkunftsland zu unterstützen. Am Beispiel der in der Schweiz lebenden albanischen MigrantInnen aus Mazedonien wird gezeigt, wie diese Netzwerke zu wichtigen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Ressourcen für die Angehörigen in Tetovo werden.

 

Urs Rybi

Die Schweiz – die Spinne im globalen Rohstoffnetzwerk

Rohstoffe sind ein wirtschaftspolitisches Kernthema. Staaten ist daran gelegen, ihre Industrien mit günstigen Rohstoffen in ausreichenden Mengen zu versorgen. Rohstoffe sind gleichzeitig auch ein menschenrechtspolitisches Schlüsselthema. Denn oft geschieht die Förderung von Rohstoffen auf Kosten jener Menschen, die rund um Minen und Bohrlöcher leben. Gerade die Bevölkerung in Entwicklungsländern geht meist leer aus bei der Förderung ihrer Bodenschätze. Öl, Kupfer oder Getreide werden danach rund um den Globus verschoben. Und ausgerechnet die kleine, ressourcenarme Schweiz ist eine der weltgrößten Rohstoffdrehscheiben und Sitz von Handelsfirmen, die mehr Umsatz machen als Nestlé, Novartis oder die UBS. Und dabei sind Konzerne wie Glencore, Vitol oder Trafigura so intransparent wie umsatzstark: Aus den Büros der Rohstoffhändler in Zug und Genf dringt kaum etwas nach außen. In ihrem Pionierwerk «Rohstoff – das gefährlichste Geschäft der Schweiz» nahm die entwicklungspolitische Organisation «Erklärung von Bern» (EvB) diese Branche erstmals unter die Lupe sorgte damit 2012 für Schlagzeilen. Die Rohstofffbranche zeigt exemplarisch, wie wichtig es ist, dass auch Unternehmen für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen werden können (Corporate Accountability).

 

Daniel Fäh

Lernen in globalen Produktionsnetzwerken:
eine Fallstudie Schweizer Maschinenunternehmen in China

Wie gehen Unternehmen der Schweizer Maschinenindustrie mit dem Aufstieg Chinas zur «Werkbank» der Welt um? Mit dieser Frage beschäftigt sich diese laufende Dissertation in der Wirtschaftsgeographie. Die Resultate zeigen, dass die Gründung einer Tochtergesellschaft in China zwar das lokale Lernen unterstützt, die entscheidende Quelle für die Innovationsfähigkeit von Schweizer Unternehmen in China sind aber die sich vor Ort herausbildenden transnationalen Produktionsnetzwerke geworden. Diese ermöglichen es dem Unternehmen, einen Grossteil der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auch weiterhin von der Schweiz aus zu betreiben.

 

Toni Frisch

Humanitäre Hilfe – Arbeit in weltweiten Netzwerken

Toni Frisch zeigt auf, mit welchen Herausforderungen die humanitären Organisationen im Rahmen ihrer Hilfeleistungen konfrontiert sind und wie sie möglichst wirkungsvoll Unterstützung leisten. Mit dem Ziel: Leben zu retten und Leiden zu lindern. Die Schweiz tut dies, in der Not- und Langfristhilfe, weltweit eng vernetzt mit UNO, Rotkreuzorganisationen, Partnerländern und Opfern.

 

Thomas Hofer

Berge im globalen Rampenlicht –
Im Einsatz bei der FAO für eine nachhaltige Gebirgsentwicklung

Was hat die FAO mit nachhaltiger Gebirgsentwicklung zu tun? Wie werden Projekte zur nachhaltigen Gebirgsentwicklung in Pakistan, West Afrika, Ecuador oder Nord Korea umgesetzt? Thomas Hofer zeigt dies auf anhand dreier Arbeitsbereiche der FAO in der nachhaltigen Gebirgsentwicklung: internationale Prozesse, konzeptionelle Arbeiten und Feldprojekte. Die Rio-Konferenz (1992), das Internationale Jahr der Berge (2002) und Rio+20 (2012) bilden den übergeordeten Rahmen des Vortrages.

 

Markus Wyss

Mit der OSEC – weltweit unterwegs für die Handelsförderung

Die Schweizer Wirtschaft ist sehr global ausgerichtet. So wird 40 % des schweizerischen BIP ins Ausland exportiert. Damit trägt die kleine Schweiz, welche 0.1 % der Weltbevölkerung ausmacht, 2.5 % zum weltweiten Handel bei. Noch imposanter ist der Anteil an Auslandsinvestitionen: Über 5 % der globalen «Foreign Direct Investments» stammen aus der Schweiz. Mit diesen über CHF 800 Mrd. Auslandsinvestitionen haben Schweizer Firmen im Ausland 2,4 Mio. Arbeitsplätze geschaffen. Droht nun diese Erfolgsstory durch den harten Schweizer Franken abgewürgt zu werden?
Markus Wyss wird auf einige dieser Effekte eingehen und aufzeigen, wie die offizielle Förderung der schweizerischen Aussenwirtschaft funktioniert.

 

Eva Gertsch

Rüfen, Überschwemmungen, Holzvärbuiwigä und hähle Alpstrassen – [Aus dem] Praxisalltag einer Geographin

Im Obwaldner Ingenieurbüro lebt es sich als Geomorphologin vielseitig. Die Palette reicht von komplexen Murgangbeurteilungen auf der Nord-Süd-Achse bis hin zur Bauleitung einer neuen Betonstrasse auf die abgelegene Alp. Dabei verbirgt sich in den vermeintlich urchigen Obwaldnern oft so manche Überraschung.

 

Simone Schmid

Den Wissensdurst stillen –
Vom Geografiestudium zur Journalistin

Nach Abschluss des Studiums hatte Simone Schmid erst einmal die Nase voll von der Wissenschaftswelt. Sie produzierte Mountainbike-Karten und arbeitete als Werbetexterin, durch Zufall rutschte sie in den Journalismus. Nach einer zweiten Ausbildung arbeitet sie heute bei der NZZ am Sonntag und fragt sich: Was brachte mir mein Geografie-Studium? Haben Journalismus und Geographie noch etwas gemeinsam?

 

Bernhard Meier

Mehr, besser, schneller – wohin geht die Reise im öffentlichen Verkehr?

Die Wahrnehmung von Distanzen und die Erwartung beziehungsweise das Bedürfnis nach Mobilität haben im letzten Jahrzehnt eine neue Dimension angenommen. Es ist der Erfolg und die Herausforderung der SBB, diese für die Schweiz zu gestalten.
Diese Aspekte der Mobilität in der politischen Arena und bei den Bundesbehörden zu vertreten, ist die Aufgabe von Bernhard Meier, dem Delegierten für Public & Government Affairs der SBB AG.

 

Pia Tschannen

fairness at work –
Von der Sozialgeografie zum sozialen Unternehmertum

Die Erwerbsarbeit hat in unserem Lebensalltag einen hohen Stellenwert. Wir wissen, dass sich gute Arbeitsbedingungen in vieler Hinsicht lohnen. Trotzdem sind faire Arbeitsbedingungen noch immer keine Selbstverständlichkeit.
Von der Sozial- und Wirtschaftsgeografie her kommend, geprägt vom Nebenfachstudium in Soziologie und der Auseinandersetzung mit feministischen Inhalten und Gender Studies hat die Referentin Pia Tschannen die fairness at work gmbh mitgegründet und steht als soziale Unternehmerin für faire Arbeitsbedingungen ein.

 

Ralph Rickli

Wettervorhersage – virtuell von Realität zu Realität –
25 Jahre Revolution im Darstellen von Wetterphänomenen

Nach dem Motto: «Climate is what you expect, weather is what you get», führte der berufliche Weg von den Köppen’schen Klimazonen über Grosswetterlagen und alpines Wetter zum Output heutiger Vorhersagemodelle. Die immense Datenfülle fasziniert und berauscht. Auf dem Weg durch den Raum der modernen Synoptik bleibt ein Bein in der Welt Humboldt‘s, das andere im Cyberspace. Ein gerütteltes Mass an Kommunikation verbindet abstraktes Wissen mit konkreten Fragen aus dem Alltag.

 

Paul Messerli

Geographie und Institut im Wandel der Zeit

Ein Jubiläum gibt Anlass zum Aufräumen, zum Überblick und Übersicht schaffen und wohl auch dazu, einige Einsichten zu erlagen, die erst aus einer gewissen Distanz zur Institution möglich sind , der man lange Zeit angehörte. Geographie und Institut, zwei untrennbare Dinge, stehen in einem Verhältnis wie Mutter-Disziplin und sich emanzipierendes Kind. Darüber will ich sprechen und mit Ihnen diskutieren.

 

Niklaus Kuhn

Landschaften unter Stress: Die Zwei-Grad-Grenze der Erwärmung

Weltklimarat, Politiker und namhafte unabhängige Wirtschaftswissenschaftler raten zu einer Eindämmung der globalen Erwärmung auf 2° Celsius. Ein höherer Temperaturanstieg, so wird befürchtet, löst katastrophale und unumkehrbare Veränderungen im globalen Ökosystem aus. Kritiker der 2°-Grenze weisen darauf hin, dass die komplexe Funktionsweise von Landschaftssystemen nicht mit einem einzelnen klimatologischen Parameter erfasst werden kann, v.a. wenn dieser einen Zustand beschreibt, der in dieser Form auf der Erde noch nicht stattgefunden hat. Ausserdem wird bemängelt, dass die Folgen des bisher beobachteten Klimawandels aufgrund der Trägheit und Pufferkapazität noch unterschätzt werden. So rät der namhafte NASA Physiker James Hansen, die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf 350 ppm zu reduzieren, „wenn die Menschheit den Planeten in einem Zustand bewahren möchte, der dem ähnelt an den Zivilisation und Ökosysteme angepasst sind“.
Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Bedeutung der 2°-Grenze stellt Nikolaus Kuhn Arbeiten aus Israel, Spanien und den Alpen zu den Folgen von Klima- und Umweltwandel vor. Im Mittelpunkt steht die Identifikation von den im regionalen Kontext relevanten Klimavariablen. Abschliessend werden Prognosen der Folgen von Klimawandel, insbesondere für die Landbedeckung im Gebirge und Trockengebieten, kritisch analysiert.

 

Klaus Ewald

Die ausgewechselte Landschaft – vom Umgang der Schweiz mit ihrem Lebensraum

Der Vortrag dokumentiert mit vielen Bildern die Entwicklung der Schweizer Landschaft seit dem vorletzten Jahrhundert. In unserem mitteleuropäischen Raum entstand die traditionelle Kulturlandschaft durch menschliche Nutzung, wobei das Schöne und Wirtschaftliche nicht im Widerspruch zu einander standen, sondern sich gegenseitig ergänzten. Jedes Landschaftselement, jeder Flurname erzählte eine eigene Geschichte, die der Mensch lesen und abrufen konnte. Die Landschaft hat dadurch ein Gedächtnis erhalten. Doch das Langzeitgedächtnis der Landschaft droht zu erlöschen. Mittlerweile sind fast alle Kulturgrenzen in der Landschaft bis zur Unkenntlichkeit verwischt. Die meisten Landschaftselemente wurden ersatzlos beseitigt. Nachdem man im letzten halben Jahrhundert die Landschaft mehr oder weniger nur als ökonomisches Potential betrachtet hat, wird die Abwesenheit einer «geistigen Dimension» spürbar.